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veröffentlicht am 20.09.2012

Steht der Übungsleiter immer mit einem Bein im Gefängnis?

Dieser Artikel soll dazu beitragen, bestehende Vorurteile oder Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Aufgabe als Übungsleiter/in zu beseitigen. Die ARAG möchte den vielen Hunderttausenden allein in Deutschland tätigen Helferinnen und Helfern damit den Rücken stärken und sie auch weiterhin bei ihrem großartigen ehren- oder nebenamtlichen Engagement unterstützen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird dabei nachfolgend auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet: Selbstverständlich sollen sich aber beide Geschlechter angesprochen fühlen.
Übungsleiter sind im Rahmen des Sportversicherungsvertrages unfallversichert. Darüber hinaus besteht für diesen Personenkreis ggf. auch gesetzlicher Unfallversicherungsschutz bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. Selbstverständlich besteht auch Versicherungsschutz für Übungsleiter im Rahmen der Haftpflichtversicherung, wenn sie im Auftrag des Vereins tätig werden.
Für den Verein besteht die Verpflichtung, sich bei der Einstellung des Übungsleiters (ÜL) über dessen fachliche Kompetenz zu informieren.
Üblicherweise ist das Risiko aus einer ÜL-Tätigkeit nicht durch die eigene Privat-Haftpflichtversicherung gedeckt. Insofern kommt der Absicherung durch den Sportversicherungsvertrag, den der lsb h mit der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG Düsseldorf abgeschlossen hat, eine besondere Bedeutung zu. Einzelheiten dazu sind den vertraglichen Bestimmungen des Sportversicherungsvertrages zu entnehmen, der beim Verein oder im Internet eingesehen werden kann.
Einige, häufig gestellte und allgemeine Fragen haben wir hier zusammengefasst:

Mitgliedschaft

Der ÜL muss kein Vereinsmitglied sein, er darf sogar für verschiedene Vereine gleichzeitig tätig werden, ohne jeweils Vereinsmitglied zu sein.

Volljährigkeit

Der ÜL muss nicht zwingend 18 Jahre alt sein, wenn er für die verantwortungsvolle Aufgabe geeignet ist. Lizenzen, andere Qualifikationsnachweise und sein Entwicklungsstand bzw. seine Reife sind gute Hinweise und Gradmesser für eine Eignung. Außerdem muss der Vereinsvorstand die Beauftragung aussprechen. Die Erziehungsberechtigten des (jungen) ÜL müssen gefragt werden und ihre Erlaubnis schriftlich erteilen. 

Schlüsselgewalt

Hat der ÜL die „Schlüsselgewalt“ für eine Halle, ist er auch für das Verschließen der Halle verantwortlich - auch wenn nach ihm noch Gruppen kommen. Ist von der nachfolgenden Gruppe der ÜL noch nicht anwesend, muss er die Halle bis dahin verschließen. Hat der ÜL keinen Schlüssel, ist der Hausmeister bzw. ein anderer Beauftragter für das Abschließen zuständig. (Absprache mit Hausmeister).

Defekte Halle

Ob eine Halle trotz Defekt genutzt werden darf, hängt von der Art und dem Umfang des Schadens ab. Jeder ÜL ist vor dem Beginn der Übungsstunde dazu verpflichtet, die Geräte und auch die Halle auf ihr einwandfreies Funktionieren und die Verkehrssicherheit zu prüfen. Findet der ÜL einen Mangel/Schaden vor, so muss er ihn bewerten. Ist es ein geringer Schaden, kann er die betreffende Stelle markieren und den Bereich für die Teilnehmer sperren. Besteht auf Grund des Schadens eine Gefahr für die Sicherheit, muss er den Unterricht abbrechen bzw. ausfallen lassen. Der festgestellte Schaden ist außerdem unverzüglich dem Verein/Vorstand/Hausmeister zu melden.

Verkehrssicherungspflicht

Aus den Haftungsgrundsätzen des § 823 BGB leiten sich die so genannten Allgemeinen Verkehrssicherungspflichten her, die in der heutigen Rechtsprechung in Haftpflichtfällen eine große Rolle spielen. Hierunter versteht man die Verpflichtung eines Jeden, der durch sein Tun eine Gefahrenlage geschaffen hat, die zur Abwendung eines Schadens von Personen und Sachen erforderlichen Sicherungsvorkehrungen zu treffen.
Verkehrssicherungspflichtig sind demnach insbesondere alle, die auf einem Grundstück einen „Ver-kehr eröffnen“ wie beispielsweise ein Fußballklub, der wöchentlich Veranstaltungen auf dem Sportplatz oder in der Sporthalle durchführt. Was der Pflichtige im Einzelfall zu tun hat, um Schäden von Dritten fern zu halten, richtet sich nach den jeweiligen Umständen.
So muss z. B. der Sportverein dafür sorgen, dass die Zugänge zum Sportplatz oder zur Sporthalle keine größeren Unebenheiten aufweisen und gefahrlos begehbar sind, dass sie im Winter von Schnee und Eis möglichst frei gehalten und, wenn nötig, gestreut werden.
Der ÜL muss immer dafür sorgen, dass sich der Sportplatz, die Sporthalle und die Sportgeräte in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden und keine Gefahr für Dritte darstellen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wenn der ÜL entscheidet, dass auf dem „Kleinfeld“ quer gespielt wird, muss er auf die besonderen Gefahren dieser Spielweise achten. Denn wenn die Tore an der Seitenlinie aufgestellt werden, muss die Ballfangsicherung noch so ausreichend sein, dass damit Schäden an parkenden Fahrzeugen, Passanten, angrenzenden Gebäuden etc. vermieden werden können.

Strafrechtliche Verfolgung

Neben der Verfolgung zivilrechtlicher Ansprüche (Schadenersatzansprüche) kann sich der/die ÜL auch einer strafrechtlichen Verfolgung ausgesetzt sehen. Auch hier kommt es auf die Umstände des Einzelfalles an.
Strafrechtliche Ermittlungen können aufgrund einer Strafanzeige erfolgen oder aber durch die Staatsanwaltschaft veranlasst werden, wenn ein öffentliches Interesse an einer Verfolgung besteht. Beispielsweise kann die Verletzung einer Aufsichtspflicht, die eine erhebliche Verletzung des zu Beaufsichtigenden nach sich zieht, strafrechtliche Ermittlungen auslösen. Sollten die Ermittlungsbehörden einen Straftatbestand feststellen, so kann der ÜL zu Geld- oder Haftstrafen verurteilt werden.
Im Rahmen der vertraglichen Bestimmungen der Sport-Rechtsschutzversicherung erhalten die ÜL Kostenschutz über die ARAG Sportversicherung.
Zum Thema „Pflichten bei der Anleitung und Beaufsichtigung von Kindern“ werden wir in einer der nächsten Ausgaben berichten.
Quelle: aragvid-arag 09/12
Ihr lsb h – Vereinsmanagement: Vereinsförderung und –beratung
 
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